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Kapitel 1 · Wissen

Den Igel kennenlernen.

Je mehr du über Igel weißt, desto besser kannst du ihnen im Alltag helfen. Das Wichtigste über den stacheligen Nachbarn – kompakt und auf einen Blick.

Wer ist das eigentlich?

Steckbrief: Erinaceus europaeus

Der Braunbrustigel – die einzige in Österreich heimische Igelart. Und gleichzeitig eine streng geschützte Art.

Ein Braunbrustigel steht am Fuß eines bemoosten Baumstamms im Laub des Waldbodens Braunbrustigel streng geschützt
Größe
22 – 30 cm
Gewicht
600 – 1.500 g (gesund im Herbst)
Lebensraum
Gärten, Hecken, Waldränder, Streuobstwiesen
Nahrung
Käfer, Larven und Insekten – niemals Milch, Obst, Nüsse, Getreide, Würmer oder Schnecken!
Aktivität
Dämmerungs- und nachtaktiv
Winterschlaf
ca. November bis März/April
Lebenserwartung
2 – 5 Jahre (in Pflege bis 8)
Stacheln
6.000 – 8.000 Stück
Pro Nacht
bis zu 3 km auf Wanderung
In Zahlen

Der Igel – ein kleines Wunder

8.000Stacheln max.
3 kmpro Nacht
5 °CKörpertemp. im Winterschlaf
8/minHerzschlag (Winter)
10×10cm Zaun-Durchgang
Wie lebt der Igel?

Drei Lebensbereiche

Damit der Igel überleben kann, braucht er drei Dinge: einen Lebensraum, Bewegungsfreiheit – und Ruhe.

01

Der Garten als Zuhause

Igel brauchen verwilderte Ecken, Laubhaufen, dichte Hecken und Zugang zwischen Grundstücken – mind. 10 × 10 cm Durchlass im Zaun.

02

Einzelgänger mit Revier

Igel leben allein und wandern bis zu 3 km pro Nacht auf Nahrungssuche. Nur zur Paarungszeit treffen sich Männchen und Weibchen.

03

Winterschlaf-Profis

Körpertemperatur sinkt auf 5 °C, Herzschlag auf 8 Schläge/Minute. Störungen kosten Energie und können tödlich sein.

Ernährung

Was frisst ein Igel wirklich?

Falsches Futter ist eine der häufigsten Ursachen, warum Igel krank werden. Besonders der Mythos „Milch" ist lebensgefährlich.

🍽️ Das mag der Igel

  • Käfer, Larven, Raupen, Spinnen
  • Tausendfüßler und andere Insekten
  • Hochwertiges Katzennassfutter (Geflügel, ohne Soße)
  • Geeignetes Katzentrockenfutter nur gezielt und nach Rücksprache
  • Gekochtes, ungewürztes Rührei
  • Frisches Wasser – täglich neu!

🚫 Auf keinen Fall

  • Milch – verursacht Durchfall, lebensgefährlich
  • Obst, Nüsse, Getreide, Gemüse, Brot
  • Würmer und Schnecken – übertragen gefährliche Parasiten
  • Rohes Fleisch, gewürzte Speisen
  • Mehlwürmer (Kalziumräuber)
  • Ungeeignetes Trockenfutter mit Getreide, Zucker oder wenig Fleisch
„Wenn du unsicher bist, was du füttern darfst –
ruf einfach an. Ich beiß' nicht." 🦔
Soforterkennung

Gesund oder krank?

Diese Merkmale helfen dir in Sekunden zu unterscheiden, ob der Igel Hilfe braucht.

Gesund

  • ✓ Nachtaktiv (ab Dämmerung)
  • ✓ Birnenförmiger Körper
  • ✓ Volles Stachelkleid
  • ✓ Klare Augen, kein Sekret
  • ✓ Kann sich problemlos einkugeln
  • ✓ Läuft gerade, gesunder Appetit

⚠️ Krank · Sofort handeln

  • ✗ Tagaktiv (Alarmzeichen!)
  • ✗ Körper schlauchförmig
  • Hungerknick hinter dem Kopf
  • ✗ Trübe Augen, schleimiges Sekret
  • ✗ Wackeliger Gang, Seitenlage
  • ✗ Atemgeräusche, Parasitenbefall
→ Im Verdachtsfall: Notfall-Seite öffnen
♀ Geschlecht erkennen

Bub oder Dame?

Wichtig vor allem bei Findelkindern – damit Geschwister nicht voneinander getrennt werden.

  • Weibchen: Geschlechtsöffnung nah am After, kein „Knopf" in der Bauchmitte.
  • Männchen: Sichtbarer Penis in Bauchmitte (wie ein kleiner „Bauchnabel"), weiter entfernt vom After.
⚠ Notfall

Igel-Baby gefunden?

Augen geschlossen = sofortiger Notfall. Ohne Mutter wird das Baby binnen Stunden kritisch. Bitte nicht selbst probieren zu füttern – jede Minute zählt.

! Warum es zählt

Das Kartenhaus der Arten

Wenn Arten verschwinden, wackelt das ganze System – denn Böden und Klima hängen von funktionierenden Ökosystemen ab. Jede verlorene Art zieht eine weitere Karte aus dem Kartenhaus.

Der Igel ist nicht nur ein süßes Wildtier – er ist ein Indikator. Verschwindet er, gerät unsere gemeinsame Lebensgrundlage ins Wanken.
Illustriertes Kartenhaus aus Spielkarten mit Insekten, Vögeln, Nutzpflanzen und Vieh auf den Ebenen, ganz oben Haus und Mensch – Sinnbild dafür, wie das Ökosystem einstürzt, wenn Arten wegfallen
Wie bei einem Kartenhaus hängt im Ökosystem alles zusammen.
Infografik zur Entwicklung der Artenvielfalt im Garten zwischen 1970 und 2025 mit deutlich abnehmender Zahl an Insekten- und Tierarten
Naturnahe Gärten mit heimischen Pflanzen, Wasserstellen und Verstecken schaffen wieder Raum für Vielfalt.

Auf dem Lehrpfad erlebst du das alles vor Ort.

11 Stationen, jede mit einer Tafel zum Mitnehmen-Wissen. Klick rein – oder komm direkt vorbei.

Zum Lehrpfad →